Theiss, Ella
Die Spucke des Teufels Roman
Buch

Historischer Roman von einer couragierten Wirtin und dem Bemühen Friedrichs II. von Preußen, den Kartoffelanbau in Deutschland zur Zeit des Siebenjährigen Krieges (1756-63) einzuführen. (DR) Im Mittelpunkt der Handlung steht Lisbeth, die jung verwitwete Ochsenwirtin, bei der preußische Soldaten einquartiert werden, die sie mit Kartoffeln verpflegen muss. Es gelingt ihr, die unbekannte Frucht, die der Pastor wegen der giftigen Triebe verächtlich die "Spucke des Teufels" nennt, richtig im Dunkeln zu lagern und schmackhaft zuzubereiten. Sie kämpft um die Weiterführung des Gasthauses und sieht sich von allen Seiten mit Schikanen konfrontiert: Major Kreutzer vergewaltigt und erpresst sie, man betrügt sie um den vereinbarten Lohn. Nur der behinderte Müller meint es ehrlich und hilft ihr, als sie einen desertierten Burschen bei sich versteckt und seine minderjährige Schwester aus einem Bordell zu sich holt. Ihr Schicksal scheint sich zum Guten zu wenden, doch da bewahrheitet sich das dem Roman vorangestellte Zitat aus dem Anti-Machiavelli von Friedrich II.: "Die Last der Tyrannei wird nie drückender, als wenn der Tyrann den Schein der Unschuld annimmt und die Unterdrückung nach vorgeblicher Form der Gesetze geschieht." Als Lisbeth auf der Flucht vor der Rache des Majors in der Wagenburg bei den Zigeunern bleibt, findet sie den Tod. In diesem Debütroman gestaltet die Autorin die spannende Geschichte einer Frau im 18. Jahrhundert, die um ihre Unabhängigkeit kämpft, mithilfe von geheimem Arzneiwissen über Leichen geht, doch in einer von Männern dominierten, gewalttätigen Gesellschaft keine Chance hat, ein freies Leben zu führen. Eine turbulente, teils makabre bis deftige Geschichte, deren Haupthandlung von unterschiedlichen Tagebucheintragungen einzelner Nebenfiguren bis hin zur Stimme der heiligen Irmgard von Aspel, Lisbeths Schutzheiliger, immer wieder unterbrochen wird. Zudem finden sich eingestreute Kochrezepte aus Lisbeths Küche, deren einzelne Zutaten (wie z.B. das Ochsenfleisch, das durchaus kannibalische Herkunft hat, stammt es doch vom vergifteten Ochsenwirt) wenig Gaumenfreuden erwarten lassen. Allemal aber eine interessante, abenteuerliche Lektüre, nach der man möglicherweise Kartoffelgerichte ein wenig differenzierter betrachtet. *bn* Jutta Kleedorfer


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Personen: Theiss, Ella Achtner-Theiß, Elke

Schlagwörter: Kartoffeln

Interessenkreis: historischer Roman

Theiss, Ella:
¬Die¬ Spucke des Teufels : Roman / Ella Theiss. - Dortmund : Grafit-Verl., 2009. - 286 S.
ISBN 978-3-89425-609-8 fest geb. : 16,11

Zugangsnummer: 2011/0070 - Barcode: 214300206073
Schöne Literatur - Signatur: Theis - Buch