Kurbjuweit, Dirk
Angst Roman
Buch

Der Roman beginnt mit einem Besuch im Gefängnis: die Familie besucht den 78-jährigen Vater, Ehemann und Großvater. Er ist zu 8 Jahren Haft verurteilt worden, da er den Nachbarn des Sohnes erschossen hat. Der Sohn und gleichzeitig Ich-Erzähler, Randolph Tiefenthaler, ist Architekt, verheiratet mit Rebekka und hat zwei Kinder. Die Familie hat eine schöne Wohnung in einem Berliner Vorort gekauft. Wie es zu diesem Mord gekommen ist, versucht der Erzähler aufzuschreiben. Er erzählt von einer Kindheit im Berlin der 60er Jahre, der Vater war Autoverkäufer und leidenschaftlicher Sportschütze und Waffennarr, der den Kleinen mit auf den Schießstand genommen hat. Das war ihm zutiefst zuwider. "Ich hatte eine glückliche Kindheit, das Problem waren die Schießübungen." Der Nachbar, Herr Tiberius, wohnt im Souterrain, er ist ein Einzelgänger und etwas seltsam, aber in den ersten Wochen passiert nichts Ungewöhnliches, er bringt sogar Kekse vorbei. Bis er der Ehefrau zweideutige Komplimente macht und Liebesbriefe schreibt. Im Nachhinein macht sich der Ich-Erzähler Vorwürfe, nicht gleich eingegriffen zu haben und so eine Eskalation vermieden zu haben. Tiberius schreibt seiner Frau Briefe, er ist sehr offen und gesteht, er sei als Kind missbraucht worden. Während der Ehemann auf Bali weilt, steigt Tiberius auf die Terrasse, starrt in das Zimmer der Tochter. Die Frau ruft die Polizei, doch diese ermahnt Tiberius nur. Und dann eskaliert die Sache: Tiberius dreht den Spieß um. Er behauptet, dass sie die Kinder sexuell missbrauchten, er würde die Beweise der Polizei übergeben, schreibt er in einem Brief, der am nächsten Morgen auf der Fußmatte liegt. Sie verklagen ihn, doch die Rechtsanwältin macht ihnen wenig Hoffnungen, dass Herr Tiberius seine Wohnung, in der er in Miete wohnt, verlassen muss. Am Schluss nimmt die Handlung eine überraschende Wende, die natürlich nicht verraten wird. Neben der spannenden Stalker-Geschichte ist der Roman auch eine Familien- und Ehegeschichte. Er zeigt das belastete Vater-Sohn-Verhältnis und vor allem, welche Folgen die Geschichte mit Herrn Tiberius auf die beiden Eheleute hat. Und er zeigt sehr eindringlich, was Angst aus Menschen macht. Außerdem ist der Roman sehr spannend: der Leser möchte unbedingt wissen, wie es zur Selbstjustiz gekommen ist. Der Autor verarbeitet in diesem Buch Selbsterlebtes, allerdings aus der Distanz von zehn Jahren. Die Geschichte ist ihm und seiner Familie zu einer Zeit passiert, als es noch kein Anti-Stalking-Gesetz gegeben hat. LHW.Lesen.Hören.Wissen Markus Fritz


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Schlagwörter: Gefängnis Nachbars Sohn

Interessenkreis: Roman

SL Kurb

Kurbjuweit, Dirk:
Angst : Roman / Dirk Kurbjuweit. - 1. Aufl. - Berlin : Rowohlt Berlin, 2013. - 251 S.
: ca. EUR 19,50

2017/0456 - Schöne Literatur - Buch