Russo, Richard
Jenseits der Erwartungen Roman
Buch

Drei Collegefreunde treffen sich nach 44 Jahren wieder und reden über Jacy, ihre gemeinsame Liebe.


Rezension

Während des Vietnamkriegs waren sie schon hier, damals noch mit Jacy. Die Einberufung drohte, das Land war gespalten. Heute ist das Land zerrissen, Trump, die Republikaner und die Demokraten. Die drei alten gesetzten Herren erzählen ihr Leben. Rückblenden auf Lincolns und Teddys Schicksal zeugen von bürgerlicher Spießigkeit, Mickey als Musiker fällt ein wenig aus dem Rahmen, aber alle rätseln über das Verschwinden Jacys, die damals mit ihnen Abschied feierte. Es geschieht nicht viel, aber die Präsenz der verschollenen Jacy gewinnt eine bedrückende Intensität, das Geheimnis maskiert womöglich ein Verbrechen. Der damalige und der heutige moralisch intellektuelle Zustand der USA bilden die Kulisse eines emotionalen Dramas, das Vergangenheit und Gegenwart markiert. Gegenseitiges Misstrauen entsteht, das unbezweifelte gegenseitige Vertrauen bröckelt, und die drei versuchen verzweifelt die Fassade zu bewahren. Das Romanende ist rasant und versetzt den Leser in atemlose Erwartung.

Russo, Pulitzerpreisträger von 2002, ist ein Meister der psychologischen Personenzeichnung im politisch-sozialen Umfeld. Sein neunter Roman ist erzählerisch versiert, aber nicht innovativ.

Rezensent: Hans-Wolfgang Schaller


Personen: Russo, Richard

Schlagwörter: Freundschaft USA Geheimnis

Russo, Richard:
Jenseits der Erwartungen : Roman / Richard Russo. Dt. von Monika Köpfer. - Köln : DuMont, 2020. - 427 S. ; 22 cm. - Aus d. Engl.
ISBN 978-3-8321-8115-4 geb. : EUR 22.00

Zugangsnummer: 2014/9169
Romane, Erzählungen, Dramen, Lyrik, Sammlungen - Signatur: SL Rus - Buch