Rietzschel, Lukas
Mit der Faust in die Welt schlagen Roman
Buch

Debütroman über die Jugend zweier Brüder in der sächsischen Provinz von 2000 bis 2015.


Rezension

Philipp und Tobias wachsen in Neschwitz auf, einem Dorf in der Lausitz, der Heimat des Autors. Der Roman beginnt Ende 2000, als die Eltern den Neuanfang wagen und ein Haus bauen, wenige Monate vor Tobias´ Einschulung. Doch die "blühenden Landschaften" bleiben aus, die Ehe der Eltern zerbricht und die Schule überfordert Tobias. Im Laufe der folgenden Jahre verödet das Dorf immer mehr, Langeweile und Perspektivlosigkeit machen sich breit. Abwechslung verspricht Menzel und seine Jungs, die schon morgens mit ihren schwarzen Autos vor der Schule rumstehen und laut Musik hören. Bei ihnen gibt es ein Gemeinschaftsgefühl und Alkohol, es wird Musik gehört und Blödsinn gemacht. Wen stört es, dass die Musik immer rechter und der Blödsinn immer brutaler und fremdenfeindlicher wird, erst gegenüber den Sorben, dann gegenüber den ersten Flüchtlingen. Der Roman verdeutlicht, wie in Neschwitz, ein Dorf unter vielen in den östlichen Bundesländern, aus scheinbar ganz normalen Bürgern und Jugendlichen gewaltbereite Pegida-Sympathisanten werden.

Ein hochaktueller, beklemmender Roman. Die deprimierende Perspektivlosigkeit der handelnden Personen ist literarisch gelungen umgesetzt, muss aber auch vom Leser ertragen werden.

Rezensent: Heike Nickel-Berg


Personen: Rietzschel, Lukas

Schlagwörter: Deutschland Provinz Fremdenfeindlichkeit

Rietzschel, Lukas:
Mit der Faust in die Welt schlagen : Roman / Lukas Rietzschel. - Berlin : Ullstein, 2018. - 319 S. ; 21 cm
ISBN 978-3-550-05066-4 geb. : EUR 20.00

Zugangsnummer: 2014/6567
Romane, Erzählungen, Dramen, Lyrik, Sammlungen - Signatur: SL Rie - Buch